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Archive for Juli 2010

Massaaaaass???

Seit fast einer Woche auf Bali, und ich werde einfach nicht warm mit der Insel. Warm ist mir schon, aber es regnet. Dass Kuta, der australische Ballermann, nicht mein Favorit sein wuerde, war mir vorher klar, daher habe ich mich damit vergnuegt, das lokale Krankenhaus mit meinem “Ich-kann-mir-meine-Rippen-alleine-aus-der-Verankerung-husten”-Phaenomen in den Wahnsinn zu treiben (Mama, is nix, ich habe das Roentgenbild gesehen, ist fast schon wieder heile!). Leider hinderte mich diese Aktivitaet am Surfen, was wiederum die einzig sinnvolle Beschaeftigung in Kuta zu sein scheint. Daher mieteten wir uns geschwind ein Auto und kurvten ueber die Insel, schoen so Natur und Doerfer und so. Es ist schoen, keine Frage, Wasserfaelle und Blumen und Reisfelder, aber irgendwie sehen die dann doch aus wie unrasierte Minigolfanlagen. Ubud ist eine nette Stadt, aber “experience the real Bali” sieht so aus, dass man sich mit 500 knipsenden Franzosen den Legong-Tanz anschaut und versucht, das nervtoetende Gefloete des Orchesters dabei auszublenden. Der Beweis dafuer, dass Bali eine tolle Insel ist, sind die Reiseerfahrungen meiner Freunde, deren Geschmack ich wirklich schaetze, ergo liegt es an mir.

Meine Theorie

Ich leide am Ueberfluss, es gibt einfach alles und davon auch noch zu viel. Zu viele Menschen (Wer hat behauptet, Afrika sei ueberbevoelkert?), zu viele Angebote (Massaaaass?), zu viele… Sachen. Das leckerste daran ist, dass es hier wirklich mit Abstand das beste Essen gibt, das ich seit meiner Haferbrei-Phase gehabt habe. Und guenstig, versteht sich. Nur manchmal wuensche ich mir, dass der Kellner sagt: “Sorry, we only have chicken and rice.”

Mein Plan

Da die Damen aufgehoert haben, uns Massaaaass anzubieten, und sich auf Sandaaaal verlegt haben, seit Masu sich seiner Schuhe entledigt hat, kann ich nun ungezwungen auf ersteres zurueckkommen. Im Rahmen des Projektes “Liebe deine Fuesse wie dich selbst – der Weg zu einem harmonischen Miteinander von Geist und Fuessen” werde ich mir morgen die Reflexzonen derselben massieren lassen (was mich Ueberwindung kosten wird), mich danach im Affenwald bespassen lassen und dann die Insel Richtung Gili Trawangan verlassen. Da gibt es naemlich nichts ausser halluzinogenen Drogen und Strand.

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Julimond

Der letzte Abend in Afrika, und ich will gar nicht so wirklich weg. Menschen und Momente der letzten Monate:

Die Gnus in der Serengeti, die mich mit ihrem Monstergequake in den tiefsten und erholsamsten Schlaf aller Zeiten gesungen haben.

Die chilligen Abende in Robbedos Rooftop-Bar auf der Ilha do Mocambique zusammen mit Jan und einem leckeren Glas Jambo-Aperitif.

Masu, der nur zwei Schulkinder in Lilongwe im Wagen mitnehmen wollte, ploetzlich das ganze Auto voll mit Kindern hatte und voellig gegen seine Natur wutschnaubend bruellte “THIS IS NOT A MINIBUS!!!”

Die Liane, die in Ntchisi abreissen musste, als ich gerade meine Tarzanseite entdeckte. Und die besten Zimtschnecken der Welt, die ich vorher verspeist hatte.

Marcel, der uns gezeigt hat, wie unfassbar schoen Lesotho ist.

Hans, der kleine Hund von Daniel, der seit dem Sauerstoffmangel bei seiner Geburt viel langsamer als seine Altersgenossen und trotzdem so klug ist.

Rafting auf dem Nil, bei dem wir es geschafft haben, in sechs von acht Stromschnellen zu kentern. We like to flip it!

Meine Lieblingskinder im Kindergarten, denen hoffentlich nie der Rohrzucker ausgeht.

Das autark lebende Pferd im Backpacker in Chipata, das Masu in der Kueche antraf.

Der Moment, auf den ich 27 Jahre warten musste: Ich habe die Kuh Unique gemolken. Und ich wusste es immer, die Haendchen muessen schoen warm sein. Ich koennte jeden Tag eine Kuh melken, bloed ist nur, dass ich keine Milch trinke. Man kriegt wahnsinnig weiche Haende vom Kuhmelken, allerdings fangen sie nach ein paar Stunden streng an zu riechen. Zum Geburtstag wuensche ich mir eine Kuh.

Carole, die es geschafft hat, dass ich von einem 8m hohen Baum in einen See gesprungen bin.

Der gegrillte Hummer, den ich am mosambikanischen Strand verspeiste, welcher wohl der erste und letzte meines Lebens war.

Das Nilpferd, das ploetzlich 50m vom Ufer des Lake Malawi auftauchte, mich am Baden hinderte und vor der Billharziose bewahrte.

Tom, der wahrscheinlich der angenehmste Mitreisende aller Zeiten ist. You left too early, mate!

Der lustige Clip im malawischen Fernsehen ueber die Tagesaktivitaeten des Praesidenten Bingu, untermalt von Shakirasongs. Waka waka!

Lino, der verrueckte mosambikanische Fernfahrer, der alle geschmiert hat, damit wir sicher in Cuamba ankommen.

Die malawische Beerdigung, bei der wir als Ehrengaeste immer schoen vorne sitzen und alle Taenzer bewundern konnten, die in Wahrheit natuerlich keine Taenzer sind, sondern Friedhofswesen, ist klar.

Roberto-Alberto, der geschaeftstuechtige Tansanier, der mit Masu vor zehn Uhr morgens ein Wasserglas Gin im Zug geleert hatte.

Jeder Tag, an dem das Internet funktionierte und eine Mail aus der Heimat kam.

Lloyd, der netteste Minibusfahrer, Mangochi-Reisefuehrer und Polizeiautoausleiher, der wirklich nichts fuer meine Klaustrophobie-Panikattacke konnte.

Die Frau im Cafe in Pietermaritzburg, die mich unterzuckert und ohne Blutdruck auf Koffein wartend fragte, ob ich sehr deprimiert sei und falls ja: Jesus loves you.

Der Dorfchef von Mkangamira, der praktischerweise heisst wie sein Dorf, und den man eigentlich gar nicht beschreiben kann.

Iain, der Tourguide, der bei dem blossen Anblick von “disco donkeys” (aka. Zebras) vor Langeweile in einen komatoesen Tiefschlaf fiel.

Alle Mitglieder der Familie Benes, die ich mit Bratkartoffeln und Spiegelei gluecklich machen konnte.

Mein Kissen, das ich 1982 von Langes Sofa habe mitgehen lassen und in Lusaka im Backpacker’s vergass. Mein KISSEN! Dummerweise bemerkte ich die Katastrophe erst am Flughafen, so dass die Taxifahrt inkl. Wiederbeschaffung 90 Doellers kostete. Der Fahrer hielt mich fuer geistesgestoert. Merke: Nichts von emotionalen Wert mit auf Reisen nehmen, das wird teuer.

Die bruellenden Kinder, die einfach keinen Mzungu in ihrer Naehe ertragen konnten.

Judith, fuer alles.

Diese unfassbare Weite, von der ich weiss, dass es sie nur hier geben wird.

Viel Staunen, viel Wundern, viel Schlucken, und von allem zu wenig.

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Beam me up!

Es fuehlt sich so an, als ob eine dicke fette Geldregenwolke ueber Afrika gezogen ist und, kurz bevor sie das Kontinentende erreicht hat, schnell noch alles abgeregnet hat, was sie so im Gepaeck hatte. Abflug Lusaka, Ankunft Johannesburg, andere Welt. In Suedafrika gibt es Buergersteige und Katzenfutter im Supermarkt und der Busfahrer schnauzt den Passagier an, der statt um 8:00 um 8:05 an der Bushaltestelle erscheint. Aber! Man darf sich nicht blenden lassen, erst wird man mit Justin Bieber Musikvideos in Sicherheit gewiegt und glaubt, splatter movies in Bussen hinter sich gelassen zu haben, und dann CUT und Rambo im Dschungel in voller Aktion. Um der Verunsicherung durch die ploetzliche westliche Ueberflusswelt zu entgehen, ging es gleich weiter Richtung Lesotho, das Koenigreich des Himmels, Heimat der Mohairziegen und Bergponies, mit kurzem Zwischenstopp in Pietermaritzburg zum Finalegucken (Pietermaritzburg war ungefaehr so spannend wie das Finalspiel, sehr ent-spannend). Unterhalb des Sani Passes haben wir uns in den Drakensbergen einem einaeugigen Wanderfuehrer anvertraut, der uns die Malereien der Buschmaenner und die Skorpione naeher gebracht hat: Je laenger der Schwanz, desto gefaehrlicher. Der Wandersmann war frueher mal Bauer, bis er Anfang der 90er zwischen die Parteienfronten geriet und ein Messer seinem Auge zu nahe kam. Suedafrikas politische Geschichte ist definitiv einen zweiten Blick wert, kommt gleich auf die Liste der Dinge, die im Leben noch erledigt werden muessen. Von da an startete Operation Berg: Ziel sollte es sein, Lesotho einmal von Osten nach Westen zu durchqueren, um warm und sicher in Maseru anzukommen und dort gebuehrend den Geburtstag des Koenigs zu feiern. Dazwischen liegen ein Pass, der ueber 3200 m hoch liegt, sowie diverse Huegel derselben Gewichtsklasse. Den Pass bewaeltigten wir mit Hilfe eines 4×4 und seinem schnaufenden suedafrikanischen Fahrer (er war etwas nervoes, da er aufgrund des Schnees zwei Tage vorher auf dem Weg umkehren musste, was wegen der Serpentinen anscheinend ein traumatisches Erlebnis war) und erreichten die hoechste Kneipe von Afrika. Dort wurden wir herzlich von Roger willkommen geheissen, der uns zwang, eine Dissertation ueber das Leben der Eisratten (lokales Getier) zu lesen und massig Gluehwein zu trinken. Wir schrieben den 14. Juli, allons enfants de la patrie. Da leider kein weiteres Auto es den Pass hinauf schaffte und der Minibus uns entgegen aller Erwartungen nicht mehr in sich reinquetschen wollte, uebernachteten wir bei gefuehlten -27 Grad in einem leeren Backpackerhaus und liessen uns am naechsten Tag von Lucky, dem Zollbeamten mit weiteren Zustaendigkeiten fuer Immigration und Fahrzeugeinfuhr, in die naechste Stadt fahren. Lucky war es sehr kalt und langweilig, obwohl er erst seit zwei Wochen arbeitete, daher hatte er kein Problem damit, nach Mokhotlong zu fahren und bei der Gelegenheit seine Stromrechnung zu bezahlen, was angesichts der Temperaturen keine dumme Idee war. Frohgemut im Anschlussminibus kamen wir tatsaechlich in Maseru an nach zweimal umsteigen und einer Reisezeit von nur zwoelf Stunden, Rekord!

In Maseru wohnt nun der Marcel, mit dem ich nach investigativer Gehirnkramerei errechnet habe, dass wir uns zuletzt vor sieben Jahren gesehen haben, na bravo! Nahtlos anknuepfend an Malawi machten wir gleich Bekanntschaft mit der geschlossenen DED-Gemeinschaft von Maseru. Ich werde am 01.01.2011 eine E-Mail an meinen neuen GUIDO-Arbeitgeber schreiben und mich selber als Preistraegerin fuer Voelkerverstaendigung, Brueckenbau und interkulturelle Kommunikation zwischen den vereinigten EZ-Organisationen vorschlagen, eine Wanderin zwischen den Welten und Botschafterin der Einheit und so. Naechster Programmpunkt: Ponytrekking in den Bergen bei Malealea. Darf man nur machen, wenn man maximal 90 kg wiegt, ich habe die Gewichtskontrolle erfolgreich bestanden und durfte mein Pony besteigen, das unerschrocken 10%-Steigungen hoch und runter stiefelte, vier Stunden lang. Beeindruckende, wunderschoene Landschaften, traumhafter Sonnenschein, und nicht mal selber laufen musste ich! Gutes Essen, heisse Dusche, was war ich selig. Bis zur naechsten und wahrscheinlich letzten afrikanischen Minibusfahrt am naechsten Morgen, da der Fahrer anscheinend bei der lesothischen Version von Pimp My Ride mitgemacht hatte, die ihm riesenhafte Stossdaempfer und einen ordentlichen Subwoofer im hinteren Teil des Wagens beschert hatte, was wiederum dazu fuehrte, dass ich auf der letzten Bank nur mit Oberkoerper flach auf den Knien und Ohr an den Lautsprecher gespresst sitzen konnte. Damit hatte ich Glueck, eine Basotho-Schoenheit verdreangte mit ihrem beeindruckendsten Koerperteil den Schaffner aus dem Bus, der sich daraufhin hinten an die Ladeklappe haengen musste. Mir war wenigstens warm. Doch auf Transportregen folgt Transportsonnenschein, und wir konnten mit einem Freund von Marcel mit einem Auto nach Johannesburg fahren, welch ein Luxus, welch eine Wonne fuer den geschundenen Ponypopo! Danke an alle Menschen, die unsere letzten Tage in Afrika so besonders gemacht haben, sei es durch Hilfsbereitschaft, Organisation der Ersten Afrikanischen Flunkyballmeisterschaft oder einfach nur Dasein. Und natuerlich herzlichen Glueckwunsch, Lethsi III und Madiba!

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Clash of Childrenization

Ich habe keine Ahnung von Kindererziehung, da sie bisher eine, vorsichtig gesagt, untergeordnete Rolle in meinem Leben gespielt hat. Ich habe nicht mal den Paedagogik-Grundkurs belegt und gehe nun trotzdem jeden Morgen voellig unqualifiziert in den Kindergarten. Man koennte jetzt argumentieren, dass ich ja schliesslich selber mal ein Kindergartenkind war, und das ist ja noch gar nicht so lange her (1984-1987, Generation Tschernobyl), ich habe also Felderfahrung. Hallo, ich war in einer Elterninitiative, die sind ja kein Massstab fuer Vorschulerziehung! Wir hatten nicht mal Gruppen, alle anderen Kinder in anderen Gaerten waren in der “blauen Gruppe” oder in der “Baerengruppe”, bei uns hiess alles Kinderstube und die betreuende Dame Fraeulein Boeckenkamp, was sich beides wiederum nach Haferschleim und Nationalhymne absingen anhoert, war es aber nicht. Soweit ich mich erinnere, hat das alles grossen Spass gemacht, Puppenecke und Zitronentee und Spiele, deren Finalitaet mir nicht mehr einfallen. Woran ich mich nicht erinnere, sind sinnloses Nachsprechen in einer fremden Sprache, malariakranke Kinder schlafend auf dem Boden und eine Ecke im Raum, wo man bitte “social dramatic play” ausueben sollte.

Ich gehe also vormittags in den Kindergarten von Mkangamira und habe das erste Mal seit Beginn der Reise einen echten Kulturschock, obwohl meine einzige Referenz, wie gesagt, sub jektiv und nostalgisch ist. Eigentlich ist auch alles in Butter: Die Kinder kommen freiwillig, werden nicht geschlagen und hauen im Regelfalle auch nicht ab. Der Garten hat Spielzeug, bunte Poster mit Verhaltensregeln drauf und zwei Tanten, die bescheid wissen. Die Kinder verhalten sich auch adaequat albern, streitsuechtig, neugierig oder wuetend. Aber sie spielen nicht. Sie koennen Zahlen, Wochentage, Farben und Monate auf Englisch (ohne natuerlich genau zu wissen, was sie da sagen) und lachen sich tot, wenn ich zwei Stofftiere miteinander sprechen lasse. Sie selber sprechen eher wenig, wissen aber genau, was im Falle des Kommandos “clean up!” zu tun ist. Draussen spielen heisst, im Gaensemarsch hinter einer Gaertnerin herzulaufen, die “Follow the Leader” singt.- Betty haette sich gefreut, das ist doch ihr absolutes Lieb-lings-lied. Ich bin eindeutig die einzige, die sich unwohl fuehlt in diesem Kreativitaetsgrab und nutzlos noch dazu, weil ich mich nicht faehig sehe, Kindern spielen beizubringen. Meine Hoffnung ist, dass sie es heimlich ausserhalb des Gartens machen, realistisch ist eher, dass Kinder hier Menschen sind, die man so schnell es geht grosskriegen muss, damit sie ein vollwertiges Mitglied der Gemeinschaft werden und nicht nur Konsument, sondern auch Produzent werden. Kinder verbringen ihre ersten Lebensjahre, bzw. bis das naechste kommt, auf dem Ruecken ihrer Muetter und die zweiten in einer Hierarchie, die Erwachsene von Kindern trennt. Kinder lernen von anderen Kindern, das ist natuerlich riskant, weil die Reife des Lehrenden nicht vorher getestet wird. Und ja, auch afrikanische Kinder, die den ganzen Tag neben der Ueberlandstrecke spielen, rennen ohne zu gucken ueber die Strasse. So sehr mir die Vergoetterung des Nachwuchses in Europa mit allem Brimborium auf den Keks geht, so wenig kann ich mich mit dem Daskindalsmassenwareprinzip anfreunden. Kinder sind doch dazu da, dass man sie beneidet, weil sie immer das tun, was man sich selber nicht traut. Wenn ein Dreijaehriger sieben Stunden lang eingequetscht neben mir im Minibus hockt ohne ein einziges Wort zu sagen oder einmal auf’s Klo zu muessen, dann ist mir das unheimlich. Soll ich an seiner Stelle anfangen zu bruellen und um mich zu schlagen? Alles bleibt am Mzungu haengen.

P.S. Zwei Wochen spaeter: Sie spielen! Wenn man sie aus der Ferne in ihrem natuerlichen Lebensraum beobachtet, dann spielen sie! Auf die Erleichterung das naechste Drama: malen geht gar nicht, die malen nicht mal Kopffuessler, herrjeh!

P.P.S.: Kleines Quiz fuer die geneigten Leser: Wenn ein Kind eine Aufgabe richtig geloest hat, klatschen alle anderen und bruellen im Chor “Shuwala, shuwala, shuwa, well done boy/girl!”. Was das wohl heissen mag???

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