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Archive for the ‘Gedanken’ Category

Eine Deluxe-Busfahrt, zwei Flüge und einen Monat später ist der Dalai Lama sehr weit weg, wie er hier so neben mir auf dem Sofa sitzt. Wie ist denn das, das Zurückkommen?

Es ist aufregend und wunderbar. Alle Elternpaare samt heißgeliebter Minimimi standen in der Ankunftshalle, fütterten uns mit Currywurst und Sekt und trugen uns auf Schultern im Triumphzug in das Reich der gefüllten Kühlschränke, Badewannen und Klamottenonlinebestellungen. Ein angenehmer Mix aus Alt und Neu auch an dem Ort, an dem ich ca. ein Tagesdrittel verbringe, meine allerliebsten komischen Mitschaffenden, der ewige Kampf um Kaffee, die kleinen Absurditäten der öffentlichen Verwaltung. Brüssel, richtig in Frühlingsschale geschmissen, nimmt mich einfach so zurück, als ob nichts gewesen wäre. Die Wohnung ist die alte mit dem Knarrholz und dem Nichtbadezimmer und den unverhältnismäßig vielen Treppen, ergänzt nur von der Nachbarskatze, die jetzt in Teilzeit auch hier wohnt.

Und nach der ganzen Aufregung und Freude über das bekannte Schöne schleicht sich ganz, ganz vorsichtig von hinten der Alltagstrott heran und nagt sich durch das Rückenmark bis ins Gehirn, lähmt die tanzenden Neuronen und flüstert diabolisch Termine, Verpflichtungen und Korsette in die Hirnwindungen. Nicht gut. Auf Reisen wird viel gelernt, aber wie man mit Zwängen umgeht, das lernt man eben nicht. Weil man keine hat.

Ich werde es lernen, und bis dahin werde ich es genießen, Zeit mit Menschen zu verbringen, die mir im letzten Jahr wirklich sehr gefehlt haben. Ich werde meinen Souvenirkoffer auspacken und kleine Geschenke herauszaubern: die Zeit aus Afrika, die Wärme aus Asien, die Sorglosigkeit aus Australien und das Gleichgewicht aus Indien.

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Jahrestag

Vor einem Jahr habe ich beschlossen, diese Reise zu machen. Vor einem Jahr ist Astrid gestorben.

Ich frage mich, ob ich mittlerweile losgefahren waere, wenn das nicht passiert waere.

Ich frage mich, ob ich wirklich verstanden habe, worum es geht.

Ich frage mich, ob es anders sein wird, wenn ich wieder zurueck bin.

Oder brauche ich immer wieder eine Katastrophe, die meine kleine Welt ins Wanken bringt und mir zeigt, dass das alles ganz grosser Muell ist? Bitte nicht.

Alles weitere gehoert nicht hierher, ausser: There’s a lot to be done while your head is still young!

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Abschiedsscherze

Noch etwas mehr als eine Woche bis Abflug… Uiuiui… Vieles wird nicht vermisst werden. Exemplarisch eine Unterhaltung durch eine geschlossene Haustür mit Glasscheibe zwischen mir und der Nachtapothekerin, die ich eine halbe Stunde vor definitivem Auszug aufsuchte, um ein dringendes Rezept einzulösen.

Sie: „Sldfbbbbbönadvvllj.“
Ich: „Entschuldigung, ich verstehe Sie leider nicht.“
Sie: „Döoiaöofnweogp.“
Ich: „Es tut mir leid, ich kann Sie nicht hören.“
Sie (brüllt): „Das kann nicht sein, wenn ich Sie verstehe, müssen Sie mich auch verstehen!“
Ich: „Ach so, vielleicht liegt es daran, dass Französisch nicht meine Muttersprache ist, tut mir wirklich sehr leid.“
Sie: „Wie bitte?“

Ich schiebe ihr einfach das Rezept durch so eine Art Katzenklappe, sie hat immerhin zwei der vier benötigten Packungen vorrätig, alles fein.

Ich: „Muss ich bei Ihnen bar bezahlen?“
Sie: wildes Kopfnicken
Ich: „Das ist ärgerlich, ich habe genau 2 Euro zu wenig, ich gehe schnell zum Automaten und komme sofort wieder.“
Sie: „Dann aber erst um 9, ich muss mich noch frisch machen, ich habe ja die ganze Nacht nicht geschlafen.“
Ich: „Aber ich bin doch hier richtig bei der Nachtapotheke?“ (Man kann sich ja mal vertun, hätte ja sein können, dass ich versehentlich beim Blumenladen nebenan geklingelt habe.)
Sie: „Können Sie nicht mit Karte zahlen?“
Ich: „??? Ähm, ja, kann ich…???“

Da schließt die Frau nach 10 Minuten Brüllerei durch eine geschlossene Tür dieselbe seelenruhig auf, lässt mich in den Laden und per Karte bezahlen. Die Kasse war übrigens an.

Ich gehe davon aus, dass im globalen Durchschnitt die Menschen netter sind als da, wo ich wohne. Das mag naiv sein, aber schlimmer kann es einfach nicht werden.

Gut, ALLE Menschen in meinem Umfeld sind natürlich nicht unfreundlich, im Gegenteil: Je näher sie mir kommen, umso netter werden sie. Ich verbringe im Schnitt so ca. neun Stunden am Tag mit den Lieblingskollegen Fietchen und Frau L.-H., die werden mir sicher fehlen, die gehören ja in meinen autistischen Tagesablauf, ich kann nie wieder eine Pizza Funghi essen, ohne nostalgisch zu werden! Wehe, ihr seid alle nicht mehr da in einem Jahr! Reicht ja, dass der Laden dann schon längst abgeschafft wurde. Oder zum GUIDO wurde. Oder was auch immer.

Familie ist auch so eine Sache. Vor Kurzem ist meine Stiefschwiegermutter (oder, viel hübscher: ma belle-belle-mère) legalisiert worden, sprich: Nach 17 Jahren wilder Ehe haben H. & H. den revolutionären Schritt zum Standesamt getan. Weil die Beringung an sich ja jetzt nicht so die Riesenüberraschung ist, haben sie es erstens am Aschermittwoch und zweitens heimlich getan. Ick froi mir! Stelle mir aber auch die Frage, ob das nur der Anfang einer Reihe von Eskapaden war. Wird nun alles aus dem Clanruder laufen, während ich aushäusig bin? Werde ich meine Artgenossen überhaupt noch wiedererkennen? Ganz schön fies, ich möchte bitte danke input, Veränderung und Entwicklung für mich selber, während alte Strukturen um Gottes Willen von der Evolution verschont bleiben mögen, damit das gemachte Nest bei der Rückkehr auch ja warm und heimelig ist. Wie egoistisch! Bitte habt alle ordentlich Spaß im nächsten Jahr, jeder hat ein Recht auf den aufrechten Vorwärtsgang, jawoll!

Was ich wahrscheinlich auch vermissen werde, und das ist wirklich nicht zu entschuldigen, wird der mediale Trash sein. Die Entscheidung ist so gut wie gefallen, das Notebook muss zu Hause bleiben. Schluchz. Ich liiiiiiiiiiebe voxonline, diese Auswanderergeschichten über Schalker, die in Tunesien einen Minigolfplatz eröffnen wollen: „Die Bahn wird einschlagen wie eine Bombe.“ Ohne Witz, das wird hart werden. Keine Filme, kein Dexter, kein nix. Zurück zum Backgammon.

Ab jetzt wird nur nach vorne geschaut, nächster Punkt auf der imaginären to-do-Liste lautet: Praktische Weltreisevorbereitung durch Extremstädtereisen. Ostern in Rom.

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Living in a box

Noch niemals habe ich so gerne in einer Wohnung gewohnt wie in dieser. Alle meine vorherigen Wohnungen mochte ich auch, aber die hier ist meine Lieblingswohnung. Ich habe keine Kosten und Mühen gescheut sie zu finden und nun auch wieder loszuwerden – kein Einzug war jemals so anstrengend, kein Sofakauf so zeitaufwändig, kein Vermieter so bizarr. Ich habe um sie gekämpft und fühle mich in ihr wohl wie damals, als ich noch in Mutters Fruchtwasser schwamm (ok, bis auf die latente Einbruchsparanoia). Nun werden wir beiden uns ein Jahr lang nicht sehen und bereiten uns auf den Abschied auf Zeit vor.

Schon mein ganzes Leben bin ich der Meinung, dass ich nicht viel „Krempel“ habe, bei jedem Umzug stellt sich heraus, dass das nicht wahr ist, dann vergesse ich es schnell und behaupte wieder, ich hätte nicht viel Krempel. Hinzu kommt, dass ich meinen Vaterkomplex auslebe, indem ich mir einen Mitbewohner ausgesucht habe, der nicht nur Ähnlichkeiten in der Optik (Bartwuchs), sondern auch im Verhalten (Sammelwut) aufweist. Heute startete also der Versuch, 3 Millionen Tapes auf 1,5 Kubikmeter Abstellraum unterzubringen (neben diversem anderen Krempel). Ich sach ma: Sowas fördert die Kreativität. Landläufig ist man der Meinung, dass Entrümpeln, Aufräumen und Entsorgen zum psychischen Wohlbefinden beitragen, allein durch eine recht platte Reinigungssymbolik. Das funktioniert bei mir leider nicht, ich werfe einfach weg und fühle mich nicht anders als vorher. Wäre fantastisch, der Müll wird zweimal wöchentlich abgeholt, das wäre eine regelmäßige Karthasis, die man ja durchaus in Zeiten der Globalisierung nötig hat. 3 Millionen Tapes stören mich im täglichen Leben nicht, so lange ich genug Platz dafür habe, und ich fühle mich dadurch in keinster Weise belastet. Es stellt sich die Frage, ob ich mich mit nur einem Rucksack befreiter fühlen werde, immerhin muss ich ihn ja mit mir rumschleppen… Im Notfall werfe ich einen von den drei Schlafsäcken weg, das wird, wenn schon nicht meine Seele, so doch zumindest meinen Rücken entlasten.

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Noch ein Thema, mit dem man sich nie beschäftigen muss, wenn man in seiner Höhle bleibt: Einreisebestimmungen. Ich, quasi in Schengen geboren, werde genötigt, um Aufnahme in ein fremdes Land zu bitten. Wie un-an-ge-nehm!

Meine Visaerfahrungen beschränken sich auf das Wissen, dass man in den USA die 7 ohne Querstrich schreiben muss um reinzukommen, und extremes Fremdschämen für den Polizeibeamten als Ohrenzeugin einer hochnotpeinlichen Befragung türkischer Mitreisender am Flughafen Köln-Bonn. Ich also, seit gut 2 Jahren im Besitz des ersten Reisepasses meines Lebens, soll mich nun der Willkür von Grenzkontrollen unterwerfen? Ich, deren Freund einen grünen Reisepass und ein rotes Impfbuch hat und der sich immer noch über Ahoi-Brause freut? Ich, die ihre vom Munde abgesparten Moneten in Entwicklungsländer tragen will, statt sie einem Staat in den Rachen zu werfen, der ein ähnliches BIP wie das gesamte subsaharische Afrika hat? Es ist nicht schön zu sehen, dass man bisher seine Privilegien hin- und wahrgenommen hat, ohne sie wirklich zu hinterfragen. Die Arroganz des Europäers, Bewohner eines Raums der Freiheit, der Sicherheit und des Rechts…

Abgesehen von der moralischen Fragwürdigkeit der Visa bereitet mir die Unplanbarkeit (nicht lachen!) dieser Vorschriften Sorgen. Sie ändern sich nämlich. Oft. Das muss gar nicht der Herr Gaddafi sein, der sich mal eine Überraschung einfallen lässt, auch Indien hat soeben mal flugs alles umgeschmissen. Rein kommt man, darf auch sechs Monate da bleiben, aber nicht zwischendrin wieder raus. Wer raus ist, darf erst nach zwei Monaten wieder rein. Solche Änderungen stelle ich mir vor allem dann herzallerliebst vor, wenn ich mal schnell auf den Himalaya wollte und dann aber fix wieder zurück zu meinem 100kg Rucksack, der auf mich in Delhi wartet, in der Zwischenzeit gibt es neue Entwicklungen und zack – kann ich es mir für zwei Monate auf dem Himalaya gemütlich machen. Eben diese neue Regel bringt meine wunderbare Indienplanung ganz durcheinander, denn ich wollte doch ERST Commonwealth Games gucken, DANN Trekking in Nepal machen und DANN den Rest von Indien besichtigen (ja nee, is klar, bloß nicht zu viel vornehmen!). Nun muss Commonwealth wohl ausfallen (ERST Trekking geht nicht, um die Jahreszeit regieren die Blutegel im Himalaya), ist aber nicht ganz so schlimm. Ich hatte mich schon so auf ein fünfeinhalbtägiges Cricketspiel gefreut und was ist? Kein Cricket. Die spielen da kein Cricket. Wenn die bei den Commonwealth Games kein Cricket spielen, wo spielen die denn dann? Ausschließlich im Parc Cinquentenaire? Und haben die dann dafür eigentlich ein Visum?

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Erase/Rewind

3 tagesaktuelle Gründe, den post von gestern zu revidieren:

1. Brüssel hat das schrecklichste Wetter der Welt. Es gibt Menschen, die sind im falschen Körper geboren, ich im falschen Klima.
2. Das Baugerüst, unter dem ich mindestens einmal täglich durchlaufen muss, ist zusammengebrochen. Das malawische Bauwesen wird meiner körperlichen Unversehrtheit zuträglicher sein als das belgische.
3. Ich habe eine tolle Zwischenmieterin gefunden mit Osnabrücker Vergangenheit und damit eine der glücklichsten Menschen überhaupt. Größter Stein auf dem Herzen gesprengt.

Reiseführer, here we go again!

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So, ich habe mich umentschieden: Reisen ist doof. Mein Leben ist eines der besseren, warum sollte ich es ändern?

Es ist schön, 8000km-Biathlon-der-Männer-mit-dreifachem-Axel-und-Schrubbern auf der Couch mit Wärmflasche zu gucken. Es ist beruhigend, bequem und befremdlich. Die armen Männer watscheln auf Skiern durch den Wald, ihnen ist kalt und sie können die Platten, die sie mit ihren Sportgewehren erschießen, nichtmal aufessen. Mir geht es noch gut, aber bald werde ich einer von ihnen sein (ersetze Skier durch Flipflops, kalt durch heiß und Sportgewehr durch 100kg-Rucksack) .

Seit dem 18.02. um 6:50 halte ich The Plan für eine bescheuerte Idee. Ich weiß, dass das wieder vergeht. Ich weiß, dass es richtig ist. Aber auf die Reise freuen würde ich mich gerne wieder, statt meinen Alltag zu glorifizieren und zeitgleich Paranoia gegen Veränderungen zu entwickeln. Wenn ich wiederkomme, hat der Bulgare von gegenüber pleite gemacht, meine Schwester hat einen Studienabschluss und Flandern ist endlich unabhängig. Das will ich nicht, es soll alles so bleiben, wie es ist. Am liebsten wäre mir, wenn meine kleine Welt einfach stehen bleiben würde, bis ich wieder da bin, geht das? Man erinnere sich, dass ich lange Zeit in Osnabrück gewohnt habe, nun weiß ich auch definitiv warum. Danke euch, die versucht haben, meine Zweifel in den letzten Tagen aufzufangen, ihr seid eingeladen zur Geburtstagsparty auf Sulawesi…

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