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Archive for Mai 2010

Der Darm, dein Feind

Sansibar, Sansibar, Sansibar… Der Name ist Programm. Fuer mich bedeutet Sansibar zuallererstmal Ferien von Barbara (und deren Bewohnern), denn Masu und Anni waren so frech, einfach an einem anderen Strand einzuchecken. Todesmutig stuerzten wir uns in ein lokales Nahverkehrsmittel, in Tansania dala-dala genannt. Nicht zu vergleichen mit dem europaeischen O (oe, ihr wisst schon) PNV, denn es werden mehr als nur Personen transportiert. Leider durften wir keine Tiere an Bord begruessen, dafuer aber alle Materialien, die fuer einen soliden Hausbau vonnoeten sind. Ein dala-dala ist ca. zwei Meter hoch, im Innenraum ca. einen Meter, und hat eine Grundflaeche von… ich schaetze mal acht Quadratmetern. Auf acht Kubikmeter passen problemlos (aber nicht schmerzfrei) 28 Menschen. Drei Stunden fuer 56 Kilometer. Manchmal waere ich gerne etwas kuerzer.

Egal, am Strand waren alle Qualen vergessen, und entgegen aller guten Vorsaetze (Trommelkurs, Fahrrad fahren) haben wir mal lieber nix gemacht, ausser uns zu ueberlegen, wie eine solche Wasserfarbe entstehen mag. Und Ohren ruinieren beim Schnorcheln, ich hatte vergessen, dass ich nicht wirklich gut tauchen kann – aber die bloeden Fische wollten nicht zu mir nach oben kommen. Kurz nachdem wir unseren Muettern termingerecht zum Ehrentag gratuliert hatten,wuenschten wir sie dringendst herbei. An dieser Stelle ist es Zeit, ueber Stuhlgang zu reden. Ich weiss, das ist kein angenehmes Thema, aber gerade im medizinischen Bereich der Reiseindustrie sollten Tabus gebrochen werden, damit andere verschont bleiben von den Irrtuemern der westlichen Medizin. Hierzu gebe ich in gekuerzter Fassung ein Skype-Gespraech zwischen mir und meiner privaten Tropenheilerin Frau Dr. Dr. J.V. wieder:

J. V.: du, kauf dir in der pharmacy mal ein wenig ors

oral rehydration stuff

und wenn du das runtergewuergt hast dann 2 bananen hinterher und dann geht’s deinem magendarm wieder besser

Anni: fein

heute mal ein bissi immodium

in diesem kaff gibt es keine apo, da bin ich mir sicher

J.V.: immodium aber erst am 3. tag nicht wahr?

Anni: aso?

stand da nicht

zu spaet

J.V.: ja, weil das fuer europaer ist

den durchfall den du hier bekommst ist bakteriell

und die bazillies muessen raus

du musst also 2-3 tage alles auskacken bevor du es stoppst

sonst bleiben die stinker wo sie sind und alles wird schlimmer

wichtig ist nur trinken

Anni: herrjeh, dann ist das noch der duennschiss vom letzten mal, der wiedergekommen ist

J. V.: und zwar wasser mit dem pulver drin. das ‚mineral water‘ hat naemlich keine minerals

und wenn du keine apotheke findest (das rehydration pulver ist sehr billig) dann trink wasser mit zitrone, salz und zucker drin

auch ein guter tip: vor jeder mahlzeit einen kurzen trinken

toetet alles ab

unter umstaenden wirst du aber zum alki

Anni: verstehe

J.V.: jetzt weisst du mehr, lass den durchfall durchfallen und schau dass du genug minerals nachkippst

Anni: ich trinke immer bier aus der flasche und vergesse, das ding vorher abzuwischen

weil die so eklig gelagert werden

gibt duennschiss

J. V.: ach quatsch

duennschiss kriegst du vom essen

weil da bakterien drin sind

und die leute sich nach dem kacken nicht die haende waschen und es auf kiswahili kein wort fuer ‚kuehlkette‘ gibt

da wird das huhn mal warm, kalt, warm, gefroren usw. 🙂

wenn es arg weh tut und nicht aufhoert dann hast du vielleicht wuermer

aber darum kuemmern wir uns dann ein andermal

Noch Fragen? Man kann natuerlich stattdessen zwischen einem Ei und einer Kokosnuss waehlen, das funktioniert ebenfalls einwandfrei.

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Dar Es Salaam ist eine Stadt, die man nicht kennenlernen moechte (heiss, feucht, streng riechend), muss man aber, wenn man nach Sansibar will. Bei der Ankunft in Stonetown muss man ueberfluessigerweise ein Einreiseformular sowie eine Gesundheitsinformation ausfuellen (“Hatten Sie in den letzten sieben Tagen Schnupfen?”), anscheinend beschaeftigt die Hafenpolizei bevorzugt Separatisten. Nun ja, so schnell es uns moeglich war, spalteten wir uns von der Gruppe und machten uns auf Fietchens Empfehlung hin auf zum House of Wonders. Das House of Wonders ist zusaetzlich auch das Nationalmuseum, und wer noch nicht weiss, woher es seinen Namen hat – einfach Wikipedia fragen. Im House of Wonders lernt man eine Menge, aber nur und auschliesslich dann, wenn man einen Fuehrer dabei hat, der einem alles erklaert, ansonsten sind die Beschriftungen derart raetselhaft, dass man tatsaechlich aus dem Wundern gar nicht rauskommt. Masu folgte also dem Fuehrer, ich wunderte mich.

  1. Wunder: Warum stellt man ein Ei und eine Kokosnuss aus, beschriftet als “Ei” und “Kokosnuss”? – Gehst du in Sansibar zum Medizinmann, wird er dich waehlen lassen zwischen einem Ei und einer Kokosnuss. Danach wird er einen Koranvers auf das Ei respektive die Kokosnuss schreiben und schwupp – bist du geheilt!
  2. Wunder: Warum benennt man einen Vorort von Stonetown Bububu? – Die erste Eisenbahn von Zentral- und Ostafrika wurde auf Sansibar gebaut. Da die Bahn in Aktion das Geraeusch bu-bu-bu machte, hat man einfach die Endhaltestelle so genannt. Hat was von Lummerland, finde ich.
  3. Wunder: Swahili, versteht kein Mensch. Das wundersame Sprichwort “Leave not your old mat embracing a new one that is not yours” heisst uebersetzt “Usiache mbachao”. Wie kann denn sowas passieren? – Swahili ist gar keine Sprache, sondern das Konglomerat der schoensten Woerter aus dem Portugiesischen, Arabischen und Indischen. Teekanne heisst auf Portugiesisch Buli und auf Swahili Buli. Tee heisst auf Indisch Chai und auf Swahili Chai. Topf heisst auf Portugiesisch Copo und auf Swahili (Achtung, Falle!) Kopo. Das laesst sich sehr lange so weiterfuehren, fuehrt aber zu nix.

Wichtiger Reisetipp fuer Stonetown: Keine spice tour machen, stattdessen mehr Zeit fuer das House of Wonders einplanen! Und, wenn es sich vermeiden laesst, nicht in der Safari Lodge einchecken.

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Man darf nicht vergessen, wir sind nicht zum Spass in Afrika. Ok, manchmal machen wir ganz verrueckte Sachen wie Rafting auf dem Nil oder gar nichts wie jetzt gerade auf Sansibar, aber EIGENTLICH faehrt man nach Afrika, um seinem natuerlichen Jagdtrieb nachgehen zu koennen. In Suedafrika bezahlen hirnamputierte Menschen 10.000 Dollar, um einen Elefanten abzuschiessen (einen Loewen gibt es fuer denselben Preis, aber das ist illegal) – leider werden wir die Chance wahrscheinlich nicht bekommen, uns mit den Verantwortlichen darueber auszutauschen, denn es stellt sich tatsaechlich die oekonomische Frage, ob ein solch horrender Preis mehr Vorteile (lokales Einkommen) als Nachteile (ein toter Elefant) haben kann. Da mein Sparvolumen fuer diese Reise diese Moeglichkeit des Amuesements von vorneherein ausschliesst, verlege ich mich auf das Fotografieren, und es fuehlt sich manchmal gar nicht viel anders als eine Handfeuerwaffe. Ich muss mir selber die Kamera aus der Hand nehmen und hinschauen statt nur durch, aber ich werde besser. Zum Glueck ist mein Objektiv ueberhaupt kein bisschen geeignet fuer Nahaufnahmen eines Gepardenohres auf drei Kilometer Entfernung, daher bitte die Fotos nicht als kuenstlerischen Spleen „viel Landschaft, wenig Tier“ missverstehen. Es geht einfach nicht anders. Zumindest habe ich bis jetzt alles an Tieren gesehen, was man sich so erwartet, ausser dem Geparden, der wie gesagt nur ein Ohr in weiter Ferne praesentierte. Masu fuehlt sich bereits leicht gelangweilt, insbesondere von den disco donkeys (Zebras) und den Gnus (angeblich zu viele – andere nennen es eines der groessten Naturwunder), denn, O-Ton: „Da sieht man eine Giraffe, und dann sieht man einen Elefanten, aber dazwischen gibt’s nix.“ Bisher habe ich noch nicht rausbekommen, wie denn das Tier zwischen Giraffe und Elefant aussehen koennte, vielleicht laeuft es uns aber noch ueber den Weg. Es folgt nun mein persoenliches, voellig subjekties Ranking der bisher besuchten Nationalparks – mit Ausnahme des Gorillagebiets, versteht sich.

Platz 5: Lake Manyara (Tansania)

Lake Manyara besticht durch seine unmittelbare Naehe zu den grossen und bekannten Nationalparks (Ngorongoro und Serengeti) sowie durch seinen dichten Regenwald. Highlight war hier unser erster Elefant, der auch gleich versucht hat, den Jeep vor unserem umzurennen. Er war sauer, weil er gerade eine Giraffenkuh mit Baby getroffen hatte, die ihn als Futterkonkurrent verjagt hatte. Verstaendliche und entschuldbare Aktion also.

Platz 4: Hell’s Gate (Kenia)

Hell’s Gate ist wie bereits beschrieben der einzige Park in Kenia, der erradelt werden kann, dazu schrub ich bereits. Man trifft deutlich weniger Menschen mit Tropenhueten, allerdings kommt man naturgemaess nicht so richtig nah an die Parkbewohner ran. Der Park fuer die sportliche Afrikabesucherin, die auch vor distanzlosen Baboons auf Picknickplaetzen nicht zurueckschreckt.

Platz 3: Serengeti (Tansania)

Serengeti war mein persoenliches must have auf dem Safarigebiet. Die Serengeti ist so gross wie Nordirland und voll von schwer beschaeftigten Gnus. Wir haben in 1 ½ Tagen 57.938 Gnus gesehen, die sich momentan auf die grosse Wanderung vorbereiten. Die Gnus wandern dem Wasser hinterher, im Uhrzeigersinn von der suedlichen Serengeti in die Masaai Mara (die eigentlich zum selben Gebiet gehoert, nur eben auf kenianischer Seite) und wieder zurueck. Wir haben sie erwischt, waehrend sie noch satt und gluecklich in der Serengeti umherspringen, allerdings rannten sie bereits in grossen Gruppen scheinbar zielgerichtet und gleichzeitig ziellos durch die Gegend. Sehr seltsam, man versucht sie zu verstehen, aber es macht einfach keinen Sinn fuer das arme Menschenhirn. Vielleicht schalten sie ihr Gehirn in der Regenzeit auch aus und benutzen es erst wieder, wenn es ums Ueberleben geht. Die Serengeti ist uebrigens das beste Beispiel dafuer, dass man die grossen Parks, nie, nie, nie in der Hochsaison besuchen sollte. Hoch- und Nebensaison definieren sich nicht durch die Qualitaet der Tierbeobachtungen zu diesen Zeitpunkten, sondern durch die britischen Schulferien. In der Hochsaison fahren 500 Jeeps pro Tag durch den Park, als wir da waren… hm… vielleicht so 10. Abends haben wir mitten drin gecampt, umgeben von den kopflosen Gnus, die Geraeusche machen wie drei Meter grosse Monsterfroesche. Ich habe so gut geschlafen wie noch nie, was soll ich daraus schlussfolgern?

Platz 2: Ngorongoro Crater (Tansania)

Der Ngorongoro Crater ist gar kein Krater, sondern eine eingestuerzte Bergspitze, sei’s drum. Die Masaai wurden nach der tansanischen Unabhaengigkeit (1963) genoetigt, bittedanke aus dem Krater auszuziehen, weil jetzt Nationalpark. Vom Sicherheitsaspekt her auch keine schlechte Idee, wir hatten zwei Loewenherren, die zum Kuscheln an den Jeep kamen. Kurz danach blieb letzterer in einem Regenzeitschlammloch stecken, und zwar zweimal. Beim ersten Mal drang bereits Wasser durch die Fahrertuer, worauf alle Kamera-Handfeuerwaffen panisch ueber Kopf gehalten wurden. Dank des grossartigen Fahrers konnten wir uns befreien, aber da Erfolg groessenwahnsinnig macht, sassen wir eine Minute spaeter wieder drin. Und zwar so, dass wir aussteigen mussten. Schluck. Kreisch. Modder bis zum Knie und die grossen Katzen nicht weit weg. Irgendwie haben sie das Dingen wieder entschlammen koennen, allerdings musste die Weiterfahrt ca. alle 5 Minuten unterbrochen werden, da von da ab das Kuehlwasser auslief. Hakuna Matata.

Platz 1: Lake Nakuru (Kenia)

Lake Nakuru wird einzig und allein zum Erstplatzierten gekuert, weil wir einfach alles gesehen haben, was es zu sehen gibt (ausser Elefanten, dafuer ist der Park zu klein, und Geparden, die koennen sich so toll verstecken).Schwarze Nashoerner, weisse Nashoerner (die sind aber alle grau), Flamingos, Bueffel, Loewen, Hyaenen, disco donkeys, Strausse, usw., usw., und sogar… Trommelwirbel… einen Leoparden. Der Leopard verspeiste in einem Baum eine Antilope, wie entzueckend! Mein Objektiv war mal wieder mehr als hilfreich. Die Koexistenz hatte fast tokiotische Ausmasse, die Hyaene jagte die Flamingos, was die Pelikane aufschreckte und den Bueffel amuesierte. Als Tochter einer Biolehrerin versuchte ich selbstverstaendlich Verhaltensweisen zu verstehen, ziemlich erfolglos. Situation: Mehrere Loewen sitzen in einem Baum. Bei Bewegungsdrang gibt es Probleme, da sie sich gegenseitig im Weg stehen, es ist also eigentlich ein einziger grosser Baumstau. Auf meine Frage hin, ob alle Loewen auf Baeume klettern, sagt der Ranger sehr stolz: „No, only these ones.“ Und warum? „It’s their nature.“ Ah ja. Da ist also irgendwann mal ein Loewe auf einen Baum gestiegen, fand es da ganz knorke und hat seinen Kumpels davon erzaehlt, die daraufhin alle hinterher sind. Ich glaube das einfach nicht! Wer es weiss, moege mich bitte nicht dumm sterben lassen.

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